Mittwoch, 31. März 2010

Mutties Jeans


Die aktuelle Plakatkampagne in München.

Gestern in der Münchener U-Bahn sah ich das neue Plakat einer Jeansmarke, die mir schon vor einem Jahr auf der Modemesse in Düsseldorf aufgefallen war. "Klasse Idee, klasse Konzept und vor allem klasse Name", hatte ich damals schon gedacht, aber leider vergessen, die Marke hier im Blog vorzustellen. Die Rede ist von dem US-Label "not your daughter's jeans".

Endlich mal eine Jeans-Marke mit einem klaren Zielgruppenfokus (Frauen über 40) und einem relevanten Versprechen (Figur-Shaping). Eine Marke, die den Mut hat, eine sicher lukrative Nische zu bedienen, die vermutlich gar nicht so klein ist, wie das (böse) Wort vermuten lässt.

"Lift Tuck" nennt das in Vernon, Californien beheimate Unternehmen NYDJ Apparel (Firmenwebsite hier) seine schwerkraftbekämpfende Technologie, die den Po hebt und das Bäuchlein strafft.


US-Anzeigenkampagne (Abb. Firmen-Website).

Die Anzeigen sind zwar eher solides Handwerk, als besonders kreativ und die Schnitte und Waschungen der Jeans wohl eher auf den US-Markt abgestellt, aber die in Aussicht gestellte jugendliche Figur mag hiervon ablenken. Die Wahl des Markennamens und die Texte auf der Website zeigen, dass man sich bei NYDJ intensiv mit der Zielgruppe auseinander gesetzt, die richtigen Insights gewonnen und Profis an die Kommunikation gelassen hat.

Ich bin gespannt, wie sich die Marke in Deutschland entwickeln wird. Die Texte der deutschsprachigen Website sind leider nicht mit der gleichen Liebe und dem gleichen Einfühlungsvermögen geschrieben wie in den USA, aber das kennt man ja leider von US-Firmen.


H&M flashmobt


5-minütiges Video der Performance auf YouTube.

Wie der Adsoftheworld-Blog berichtet (hier) hat nun auch der Billigtextilriese H&M das Tool Flashmob genutzt, um die Aufmerksamkeit auf seine neue Kids-Kollektion zu lenken. Adsoftheworld spricht allerdings von einer "Branded Performance". Schließlich sind Flashmobs (Wikipedia über Flashmobs hier) ja eigentlich eher eine Performance-Kunstform ohne wirtschaftliches Interesse.

Hierzu engagierte die US-Agentur Mr. Youth (hier) 55 talentierte Kids, die sich, nach vermutlich wochenlangem Training, scheinbar spontan auf dem Union Square in San Francisco trafen, um eine Street-Performance abzuliefern.


Der Telekom-"Flashmob" mit Paul Potts im Telekom-Werbespot.

Die Idee, Flashmobs für Marken einzusetzen hatte ja auch schon die Telekom, die unter anderem Paul Potts scheinbar spontan auf dem Hauptbahnhof in Leipzig zum Singen bewegten.

Mich interessiert die Meinung die Meinung meiner Leser. Was haltet ihr davon, dass Unternehmen das Tool "Flashmob" zunehmend als "Branded Performance" für ihre Marken einsetzen? Seht ihr das eher als kulturelle Bereicherung des öffentlichen Raums oder als schleichwerbenden Missbrauch einer kulturellen Idee?


Dienstag, 23. März 2010

Mad Men im Barbie-Format


Mattels neue Mad Men Puppen.

Passend zur US-Erfolgsserie Mad Men hat Mattel angekündigt, vier der top-gestylten Vorzeigewerber aus besseren Zeiten als Barbie-Puppen auf den Markt zu werfen; als Teil der so genannten Fashion Model Barbie Collection. Ob der Exessiv-Raucher und Madison Avenue CD Don Draper und seine devote Vorstadt-Gemahlin Betty sowie sein Boss Roger Sterling und D-Körbchen Office Managerin Joan Harris wirklich in den Kinderzimmer landen oder vielmehr künftig die stylischen Schreibtische in den Kreativetagen nostalgischer Werber zieren werden, bleibt abzuwarten.

Laut Hersteller kommen die Puppe-gewordenen Leistungsträger der Cooper, Draper, Pryce Werbeagentur mit ausgewählten Accessoires, wie Hüten, Trenchcoats, Perlenketten und sogar die legendären Spitztüten-BHs. Auf die wichtigsten Accessoires der Reklame-Soap, Zigaretten, Aschenbecher und Martini-Cocktails hat man wohl im Hinblick auf die lieben Kleinen verzichtet.

Laut Mattel sind die Puppen limitiert auf 7.000 bzw. 10.000 Stück und werden nur in ausgewählten Shops verkauft.


Die Originalcharakteren aus der Erfolgsserie

Link zur Serie (hier).
Zuerst gesehen bei fashionablymarketing (hier).


Cardin traf Raumschiff Orion


Pierre Cardins 1964 Cosmos Collection (Foto: IHT)

Das Haus Pierre Cardin feiert dieses Jahr sein 60-jähriges Bestehen. Anlässlich des Jubiläums tauchen auch solche wunderbaren Anzeigenmotive wieder auf. "„Was heute noch wie ein Märchen klingt, kann morgen Wirklichkeit sein ..." Die Raumpatrouille lässt grüßen.

Zuerst gesehen im BoF-Blog (hier).


Mittwoch, 17. März 2010

Dessous-Fallensteller


Das YouTube-Video zeigt, wie die Kliktease-Online-Kampagne funktioniert.

Das nenn' ich mal clever gedacht, von den Kreativen hinter der Online-Kampagne des niederländischen Dessous-Versenders Klicktease.

Die Herausforderung: Männer verschenken nicht gerne Dessous. Erstens, weil sie sich die Konfektionsgröße ihrer Frau/Freundin nie merken können. Zweitens, weil sie sich in Dessous-Geschäften meist nicht sehr wohl fühlen. Und drittens, weil sie irgendwie selten darauf kommen, Wäsche zu verschenken und stattdessen lieber Bügeleisen und Kochtöpfe auf die Gabentische legen. Praktisch halt.

Die Lösung: Frau loggt sich bei www.kliktease.nl ein (hier). Sie sucht sich ihre Wunsch-Dessous aus und speichert ihre Größen ab. Nun muss sie nur noch den Link an ihren Freund/Mann geben und schon kann er für sie einkaufen. Aber, darauf wären wir ja auch gekommen und das wäre viel zu einfach.

Die Amsterdamer Kreativen haben weiter gedacht: Sie nutzen einen perfiden Trick, um den Mann auf die Klicktease-Website zu locken, (scheinbar) ohne dessen Weibes Zutun, und arbeiten mit dem berühmten schlechten Gewissen als Motivator für den Schenkenden und Umsatz-Pusher für Kliktease. Wie das funktioniert zeigt der kurze YouTube-Film am Anfang des Posts.

Ein schönes Beispiel, wie Online-Kampagnen funktionieren können, wenn man ein wenig länger über seine Zielgruppen nachdenkt.

Kreiert wurde die Kampagne von der Agentur HOUDINI, Amsterdam. Website (hier).


Dienstag, 16. März 2010

Lagerfeld eiskalt


265 Tonnen arktisches Eis für Chanel-Show (Foto: Wallpaper)

Dass sich die durchschnittliche Chanel-Couture-Kundin herzlich wenig Gedanken, um die globale Erderwärmung macht, verwundert niemanden. Dass sich immer wieder auch Mode-Labels mit Greenwashing hervortun, ist auch hinlänglich bekannt. Dass sich ein gebildeter Mann, wie Karl Lagerfeld aber zu öffentlichen Äusserungen wie "Have you felt any warming this winter?" oder "Maybe that's all nonsense, who knows." hinreißen lässt, wohl eher traurig.





Kurze Zusammenfassung der Show auf YouTube

So zumindest zitiert ihn die Nachrichtenagentur Reuters anlässlich der letzten Chanel-Fashion-Show, für die Lagerfeld einen wohl mehr als 265 Tonnen schweren Eisberg in den Pariser Grand Palais hat liefern lassen, um die nächste Winterkollektion adäquat und pressegerecht zu präsentieren. Immerhin soll die Kollektion wenigstens mit Kunstpelzen ausgekommen sein. "There wasn't any real fur, it's all fake. The word 'synthetic' is horrible, fake fur used to be hideous but there's been enormous progress," so Lagerfeld im Interview.





Lagerfeld outet sich als Okö-Skeptiker (Foto: REUTERS/Benoit Tessier)

Es ist nicht das erste Mal, dass Lagerfeld Umwelthemen für seine Shows ge(miss)braucht. Wurde die Frühjahrskollektion im letzten Jahr rund um eine künstlich errichtete Scheune präsentiert. Fotos bei Fabsugar (hier). Auch änlässlich dieser Show fütterte Lagerfeld die hungrige Presse mit der provokanten Aussage, dass Umweltaktivisten sicher einen Punkt hätten, aber lernen sollten, sich besser anzuziehen.


Bei Null Grad mussten die Gäste der Show ausharren (Foto: REUTERS/Benoit Tessier

Der riesige Eisberg kam wohl aus Nordschweden per Schiff und wurde bereits auf der Fahrt von 35 Bildhauern aus der ganzen Welt zu einer fast 10 Meter hohen Eislandschaft verwandelt. Chanels Gäste mussten sich warm anziehen, denn, um die Eiskunstlandschaft bis zur Show erhalten zu können wurde das Grand Palais auf Null Grad herunter gekühlt.

Die Reuters-Meldung im Original (hier).


Montag, 8. März 2010

Helden des Alltags in Discount-Klamotten


Klamotten vom Discounter K&G machen unbesiegbar (Foto: K&C).

Bin im Adweek-Blog gerade über zwei neue TV-Spots des US-Discounters K&G gestolpert. "Kleider machen Leute, aber K&G-Kleider machen Leute unbesiegbar." So oder ähnlich lautete die Kreatividee der Bostener Full-Service-Agentur Mullen (hier) für K&G Fashion Superstores (hier).

Dass Werbung für Textildiscounter häufig gaga ist, haben Kick & Co. ja in Deutschland schon hinlänglich bewiesen. Dass Gaga aber jenseits von nervenden, sprechenden T-Shirts und noch mehr nervenden und noch schlechter sprechenden Veronas (KIK) durchaus Spaß bereiten kann machen uns die Amies nun mal wieder vor.


Die zwei TV-Spots von K&G.


Donnerstag, 25. Februar 2010

Peak streamt Instore-Entertainment auf's iPhone


Die neue Peak Performance Radio-App (Abb.: iTunes-Store).

Outdoor-Fans bekommen jetzt was auf die Ohren und zwar kostenlos. Mit der neuen iPhone-App vom skandinavischen Lifestyle-Outfitter kann man das Instore-Radio-Programm der Peak-Stores auf sein iPhone streamen. Jeder Song kann ge-voted werden. Gefällt einem ein Song, kann man ihn mit einem Klick im iTunes Music Store finden und dort kaufen, sofern er im lokalisierten Store gelistet ist. Da sich der Peak Performance DJ offensichtlich im Schwedischen iTunes-Store inspirieren lässt, klappt das leider meiner Erfahrung nach nicht immer.

Unterlegt ist das ganze mit Fotos der aktuellen Kollektion.

Leider benötigt die Streaming-Technologie relative große Datentransfers und damit auch gute Empfangsqualität und eine großzügige Flatrate.

Die iPhone-App gibt's (hier).


D&G-Show heute live auf dem iPhone erleben


D&G lässt iPhone-Besitzer erstmalig per Livestream an der aktuellen Show teilhaben. (Abb.: Website D&G)

Heute um 15:00 Uhr kommen modebegeisterte iPhone-Besitzer in den Genuss eines exklusiven Livestreams der D&G-Frühjahr/Sommer 2010 Fashion-Show und sind damit vielen eine Nasenlänge voraus.

Dolce & Gabbana sind damit meines Wissens die ersten Fashion-Designer, die einen solchen iPhone-optimierten Livestream anbieten. Ich wette, sie werden nicht die letzten sein.

Am 28.02.2010 folgt um 13:00 Uhr dann der Livestream der Dolce & Gabbana-Show.

Mehr über die Shows bzw. den Livestream (hier).

[Nachtrag 16:20] Mit etwas Verzögerung geht es nun los. Motorradhelme als Handtaschen! Wintermode im Aspen-Lodge-Look

[Nachtrag 16:02] Es ist 16:02 und der Countdown für die Show springt ständig hin und her. Steht gerade auf -11. Bin gespannt, ob es dann wirklich mit leichter Verspätung in 10 Minuten losgeht.


Mittwoch, 24. Februar 2010

North Face stellt SMS-Zäune auf


Markentreue Kunden, die den Geo-Fence betreten werden in den Store gelockt (Abbildung: New York Times)

"Geo-Fencing" heißt eine neue Traffic-Building-Technologie, die der Outdoor-Lifestyle-Spezialist The North Face noch in diesem Monat in einigen Filialen in Nordamerika testen will. Und das soll laut Placecast so funktionieren: Kunden, die sich einem Store nähern erhalten eine Promotion-SMS auf ihr Handy, die ihnen ein Incentive (z.B. eine kostenlose Flasche Wasser etc.) verspricht, wenn sie den Store besuchen. Geo-Fencing legt einfach einen virtuellen Kreis um eine gewünschte Location, in deren Radius die SMS-Benachrichtigungen versendet werden.

Selbstverständlich erhalten nur registrierte Fans der jeweiligen Marke (z.B. via Facebook und Konsorten) solche Botschaften.

Die Nachrichten können sehr flexibel z.B. auf die jeweiligen lokalen Wetterverhältnisse angepasst werden.

North Face plant, laut NYT, auch prädestinierte Outdoor-Locations zu "geo-fencen", um die Marken-Fans vorort mit hilfreichen Informationen zu versorgen.


Wie Placecasts "Location triggered Mobile Marketing" funktioniert, zeigt dieser YouTube-Cast.

Placecast hat, nach eigenen Angaben, bereits rund 1000 solcher Geo-Fences in New York, San Francisco, Seattle und Boston aufgebaut.



Montag, 15. Februar 2010

Krieg der T-Shirts


Kleinkunst mit viraler Power: "T-Shirt War"

Unglaublich gut gemachter Stopmotion-Clip für den US-amerikanischen T-Shirt-Drucker/Designer/Versender Rhett & Link. Virale Power

Die beiden Inhaber, die selbst die Hauptrollen übernahmen mussten angeblich über 200 verschiedene "One-of-a-kind-T-Shirts" allein für diesen Film designen und drucken lassen.

Zum Shop geht's (hier).

Zuerst gesehen im Hundertmark-Blog (hier).


Mittwoch, 10. Februar 2010

Edelmüll


Der neueste "Müll" von Louis Vuitton

Scheinbar braucht es immer spektakulärere Stilbrüche, um den Reichen im Jetset das restliche Geld aus der Tasche zu ziehen. Die neueste kaufbare Provokation kommt aus dem Hause Louis Viutton und heisst "Raindrop Besace Bag". Für "nur" rund 2.000 USD kann man so etwas, wie eine Mülltüte an edlem Ledergeschirr erstehen. Dem Namen nach zu urteilen, ist die wohl edelste Mülltüte der Welt scheinbar als wetterfeste Alternative zu den edlen Lederhandtaschen aus dem Haus ??? gedacht.

Einige Quellen schreiben, die Tasche sei aus einem speziellen Leder gefertigt, dass nur den Look billiger Plastiktüten nachahmt (hier). Andere sprechen von beschichtetem Canvas, wie es LV traditionell schon immer für seine Koffer verwendet.

Die Schulterriemen sind abnehmbar, damit man die Tasche wie einen Müllsack tragen kann. So bekommt der Satz "Schatz, ich bin dann mal den Müll raustragen" eine gänzlich neue Bedeutung und Qualität.


Stilvoller Müll entsorgen.

Marc Jacobs will mit dieser neuen Kreation wohl endgültig beweisen, dass sich die beklopptesten Reichen wirklich jeden Müll andrehen lassen, solange nur das LV-Logo darauf prangt.

Wer (trotz Selbstanzeige des in der Schweiz deponierten Schwarzgeldes) noch ein wenig Geld übrig hat, kann die beiden Modelle wohl ab März auch in Deutschland erstehen.

Ob das ganze nur wieder nur ein geschickter viraler Schachzug ist, um die Marke aktuell zu halten oder ob die Tasche ernsthaft ab März auch auf der Maxistraße kauf- und tragbar sein wird, konnte ich nicht eruieren. Bei LV auf der Website ist jedenfalls nichts offizielles zu finden.

Zuerst gesehen bei Stylefrizz (hier).