Mittwoch, 18. März 2009

"Voll karass sexy Bunny"

Seit gestern begegnet sie mir ständig auf der Straße: Das "Tally Girl" des Schweitzer Labels Tally Weijl mit seinem rosa Bunny. Sie liegt "... im durchtrainierten Body ..." als verführerisches Bay Watch-Fake am Strand, "... zeigt ihre Sexyness am Beach." und lässt sich "... weder von Haien noch von hohen Wellen abschrecken.". Ihr Auftrag: der Kampf gegen das Aussterben des Six-Packs in der Männerwelt. Ihr Freund: der rosa Bunny.

Stolz berichtet das Presseportal des Unternehmens, dass sich diese (Entschuldigung!) gequirrlte Sch... die Pariser Agentur BETC Luxe hat einfallen lassen. Zitat: "... ein Meisterwerk von einer Imagekampagne ...".

Unabhängig vom Bullshit-Bingo der Marketingabteilung muss ich allerdings eingestehen, dass ich die Tally-Leute für den Mut bewundere, eine klare Position ("Totally Sexy") zum Thema Mode und weibliche Anziehungskraft (Verzeihung: "Sexyness") zu beziehen und diesen Mindset eines sicherlich nicht unerheblichen Teils ihrer spätpupertierenden, weiblichen Zielgruppe konsequent besetzt und inszeniert.

Was wohl die gute, alte Alice Schwarzer und ihre EMMA dazu sagen täten?


Dienstag, 17. März 2009

Messe(aus)ladungen

Der neue Post auf dem vom mir sehr geschätzten "Klo Blog" zum Thema kreative Einladungen zu den Shows bekannter Designer, brachte mich dazu über die Trostlosigkeit der Messeeinladung vieler Bekleidunghersteller nach zu denken. Der obligatorische Imageprospekt, portooptimiert, ohne persönliches Anschreiben, mit schiefem Adressaufkleber auf dem Standardumschlag. An Lieblosigkeit oft nicht zu überbieten. Was sagt das wohl dem geschätzten Kunden, der seine wertvolle Zeit opfern und unseren Showroom zwecks Order besuchen soll? Dabei sind wir doch in einer sehr kreativen Branche und wollen das doch auch zeigen. Und es gibt kreative Direct-Marketing-Profis, die genau wissen, wie man potenzielle Kunden in die Showrooms locken kann. Bei der schwachen Konkurrenz sichert oft schon eine kleine, gar nicht so teure Idee den entscheidenden Vorsprung. Zeigen wir unseren geschätzten Kunden, wie sehr wir uns auf ihren Orderbesuch freuen!

Abwrackprämie

Wie ich gerade bei Modabot lese, ist die Abwrackprämie nun auch im Modehandel angekommen. Der Hamburger Avandgarde-Retro-Mode-Händler "Herr von Eden" bietet bis zu 300,- € Abwrackprämie für den alten Anzug, so der Modabot-Blog. Die alte Ware werde entweder vor Ort fachgerecht ensorgt bzw. karitativen Einrichtungen gestiftet. Eine intelligente Idee, der Preis-und Rabattschlacht der Branche zu entkommen und wie passend zum Image der Marke.

Montag, 16. März 2009

Kognitiver Dissonanzverringerer

Eines der beeindruckendsten Fremdwörter, das mir aus dem Studium der Kommunikationswissenschaften in Erinnerung geblieben ist, ist die "kognitive Dissonanz". Wikipedia versteht darunter einen als negativ empfundenen Gefühlszustand, der durch nicht miteinander vereinbaren Einstellungen entsteht. Praxisbeispiel: Wir haben gerade mal wieder viel zu viel Geld für ein Kleidungsstück ausgegeben und sind uns nicht sicher, ob das wirklich ein Schnäppchen war. Das geht vermutlich fast jedem so. Das neue Teil, was eigendlich Quell grenzenloser Freude sein sollte beginnt uns zu Quälen. Wir bereuen den Kauf. Und genau hier kommt unser Freund der Swing-Tag wieder ins Spiel. Gut gemacht kann er so was wie Lenors "Gutes Gewissen" sein (jüngere Leser mögen ihre Eltern in Sachen Lenor fragen). Erläutert er dem kognitiv gestressten Kunden haargenau, warum die Investition in das neue Kleidungsstück nicht nur eine gute, sondern sogar eine sehr sinnvolle war. Regelmäßige Leser meines Blocks merken schon, dass ich in wahrer Fan der kleinen Anhänger bin. Der abgebildete Swing-Tag hing an einem mit 59 €uro nicht gerade teuren Sweatshirt von Scotch & Soda und signalisiert ungemeine Detailverliebtheit sowie Qualitätstreben des Herstellers und gab mir das gute Gefühl mein Geld richtig angelegt zu haben.

Weiterblätterverhindereranzeigen

Bin gerade im "The Essentialist"-Blog über die neue Lee-Kampagne gestolpert. Klasse Motive, die dem geneigten und überraschten Leser sicher davon abhalten einfach weiter zu blättern. Auf dem ersten Blick typische Modefotografie, auf dem zweiten im besten Sinne des Wortes merk-würdig. Einziger Wehrmutstropfen: Die sicherlich ungewöhnliche Bildidee hat leider nichts mit der Aussage der Marke zu tun, oder? Also doch nur Effekthascherei? Die anderen Motive der Kampagne gibt es hier.

Donnerstag, 12. März 2009

Consumer Generated Products

Kennt ihr das: Irgendwie hat man gerade ein Thema am Wickel und plötzlich stolpert man nur noch über weitere gute Beispiele. Diesmal in dem wirklich guten und inspirierenden "If It's Hip It's Here"-Blog von Laura Sweet aus LA. Bond No. 9, das hippe Duft-Label aus New York schreibt gerade einen Designwettbewerb aus, für den Flakon seines neuen Duftes "Brooklyn". Bei der "Brooklyn Bottle Design Competition" kann jeder mitmachen. Der ausgewählte Entwurf wird umgesetzt. Der Gewinner erhält ein Jahr lang eine Flasche Bond No. 9 monatlich gratis und die Ehre, als Designer auf dem Flakon genannt zu werden. Bond No. 9 ist bekannt für seine kreativ gestalteten Flakons, die ähnlich den Absolut Vodka-Flaschen immer wieder für Gesprächsstoff unter den Fans der Marke sorgen.

Consumer Generated Fashion II


Gestern hatte ich das Thema gerade am Wickel, da lese ich heute in einem meiner Lieblings-Blogs, Fashion Diary, über Pearlfaction. Die Website macht es potenziellen Kunden und Kundinnen sehr einfach, modische Ketten selbst zu gestalten und anschließend zu bestellen. Für sich selbst oder als kreatives Geschenk verschickt. Da wird jeder zum eigenen Designer, kann mal so richtig kreativ werden und sich vor allem sicher sein, dass seine Kette ein echtes Unikat ist.

Tolle Idee! Und wer weiß, vielleicht lernen die (für meinen Geschmack und die Marke recht bieder selbstdargestellten) Betreiber der Seite ja, welche Ketten besonders gefragt sind und bieten diese dann als Ready-Mades mit Abverkaufsgarantie über den traditionellen Handel an.


Mittwoch, 11. März 2009

Consumer Generated Fashion

Ein weiterer Schritt in der Demokratisierung der Mode durch das WWW: Polyvore.com. Fashion Brands watch out! Seit 2007 online, läuft diese „Create-your-own-Style“-Seite gerade zum absoluten Hype unter den Fashionstas auf und wird – richtig genutzt – zu einem interessanten und effektiven Marketing-Tool für ausgeschlafene Mode- und Lifestyle-Marketeers. Worum geht’s? Unter www.polyvore.com kann sich Jedermann und Jedefrau aus beliebigen web-basierten Modebildern ganz einfach digitale Style-Collagen „zusammenkleben“ (so wie wir das von den Modezeitschriften her kennen) und dabei herrlich mixen und matchen. Ist man mit seinem Style zufrieden kann man ihn auf einem der vielen Polyvore-Blogs veröffentlichen. Auf dem offiziellen Polyvore-Blog tauschen die Polyvorista ihre Styling-Ideen miteinander aus. Hier gibt es unter anderem Styling-Tipps für die „Apple-Shaped Ladies“ wie für die Anhänger eines eher maskulinen Styles. Polyvore ist kostenlos und macht wohl süchtig. Die schon über über 2,5 Mio. Polyvore-Nutzer verbringen nach Angabe der Polyvore-Macher Tage und Nächte mit dem Kreieren, Austauschen und Kommentieren immer neuer Styles und Outfit-Ideen. Ich halte Polyvore für ein geniales Marketinginstrument. Aufgrund des hohen Engagements der Nutzer und dem Pool echter Outfits bekannter Marken als Spielmasse, wird aus der geballten Kreativität der Polyvore-Gemeinde eine bisher nie da gewesene Plattform für Nutzer-generierten Werbe-Content. Wie der Fashionista-Blog zu berichten weiß, haben große Marken in den USA (z.B. Nine West) bereits begonnen, Nutzer-Wettbewerbe auf Basis von Polyvore auszuschreiben und belohnen die kreativsten oder beliebtesten Outfit-Kombinationen der Teilnehmer mit attraktiven Preisen. Einige Online-Stores (wie zum Beispiel der von BCBG)haben ja schon ähnliche (wenn auch längst nicht so ausgefeilte)Technologien im Programm, um ihren Kunden zu helfen, die richtigen Outfits zusammen zu stellen und zu kaufen. Wie man liest erhöhen solche Techniken den Umsatz pro Kaufakt erheblich. PR-Agenten tun künftig gut daran, Ihre Lookbooks auch bei Polyvore einzuschleusen. Als kreatives Ausgangsmaterial für die User. Gar nicht auszudenken, wenn die eine oder andere kommerzielle Marke auf den Gedanken käme, ihre Designer mit Polyvore-Outfits zu füttern, um bedarfsgerechtere Kollektionen zu kreieren. Es lohnt sich also Polyvore im Auge zu behalten.

Dienstag, 10. März 2009

The Unusual Art of Christian Faur

Da sage noch mal einer, es gäbe nichts Neues unter der Kunst-Sonne. Das hier hat zwar nichts mit Mode zu tun, aber die Idee hat mich umgeworfen. Christian Faur "malt" Bilder mit Hilfe einfacher Crayon Wachsmalstifte. Allerdings malt er gar nicht, wie Millionen amerikanischer Kinder, sondern stellt die Stifte einfach senkrecht nebeneinander in einen Rahmen. Ähnlich irre sind seine Bilder aus geschreddertem Papierstreifen. Hut ab vor so viel Originalität und Ideenreichtum! Mal sehen, welche Werber seine Techniken als erste Kupfern. Hier geht's zum original Post auf "If It's Hip, It's Here".

Montag, 9. März 2009

Nachhaltiger Markenwert

Bin gerade über neue Motive der Patek Philippe-Print-Kampagne gestolpert. Ein sehr gutes Beispiel für eine nachhaltig und auf lange Sicht angelegte Kampagne, die auf einem echten Consumer Insight aufbaut: Hochwertige Uhren besitzt man nie wirklich, man erhält sie für die nächste Generation. Daraus ein Statement gemacht, dass perfekt zu den Werten der Zielgruppe passt und schon matchen Zielgruppen- und Markenwerte. Schade nur, dass die fotografische Umsetzung beziehungsweise die Testimonials immer spießiger werden.

"Clohdiah" für Ferragamo

Noch eine Promi. Diesmal aber zumindest klasse inszeniert. Perfekte Produktion. Tolles Foto. Und dass es wirklich die Schiffer ist, erkennen sicher die meisten auch ohne peinliche Bildunterschrift á là Versace. Karl wäre stolz auf seine "Clohdiah" und ich bin's auf Ferragamo.

Charles, bleib bei deinen Flaschen!

Dass Promi-Werbung für Lifestyle-Produkte auch mal in die Hose gehen kann, hat ja nun wohl schon jeder gemerkt. Was sich Baldessarinis Duftexperten bei dieser Sparnummer gedacht haben, weiß kein Mensch. Stellen die den Schumann mit dem Schreyer zusammen in ein Münchener Studio, sparen sich die Reisekosten nach Alaska und hoffen, dass es keiner merkt. Und damit's noch authentischer wirkt müssen die beiden Models in lächerlichen Felljacken im Studiolicht schwitzen bis der Arzt kommt. Oder sollte das der Härtetest für's neue Duftwässerchen werden?