Mittwoch, 16. Juni 2010

150 Euro-Nagellack von Chanel


Der grau-lilafarbene Chanel Particulière 500 (links) ist auffällig unauffällig. 22 Euro kostet das Fläschchen - soweit der Lack irgendwann nicht mehr ausverkauft sein sollte. Ansonsten ersteigert man eines der begehrten Fläschchen für 150 Euro im Internet. (Foto: Chanel).

Wow! Das nenn' ich mal Produktbegehrlichkeit! Auf stolze 150 Euro soll der Kurs für den neuen IT-Nagellack von Chanel laut Welt Online gestiegen sein. Dabei kostet das Fläschchen der gefragten Sorte 505 Particulière, in Grau-Lila im Laden laut Preisliste eigentlich nur 22 Euro. Aber im Laden gibt's die begehrte Farbe nicht mehr. Ausverkauft. Lieferzeit unbekannt. Bei Douglas soll es lange Wartelisten geben.

Wie erzeugt man solch einen Hype? Chanel hatte dieses speziellen Farbton extra für Karl Lagerfelds Herbst-Winter-Kollektion angemischt, um den passenden Lack für die Jade-besetzten Accessoires der Kollektion zu haben. Aufgrund vieler Nachfragen entschied man sich, ein kleine Menge für den Markt zu produzieren. Und Limitation schafft bekanntlich Begehrlichkeit.

Interessant für die Branche scheint mir hier auch, dass (1.) Nagellack selbst scheinbar immer mehr auch zum modischen Accessoire wird und (2.) Bedarf entsteht, die Farbe des Nagellacks exakt auf seine Accessoires (Schuhe, Handtasche etc.) abzustimmen.


Bereits 1995 kreierte Chanel mit "Rouge Noir" eine Kult-Lack, indem man Uma Thurman mit er auffälligen Farbe in Pulp Fiction zeigte. Noch heute ist "Rouge Noir" der meistverkaufte Nagellack von Chanel.

Der Original-Post bei Welt Online (hier).


Mittwoch, 9. Juni 2010

Profi-Tischfußball für Louis Vuitton


Hochrangig besetzter Kicker, abgelichtet von Annie Leibovitz für Louis Vuitton.

Passend zum Sportereignis des Jahres hat Louis Vuitton nun auch eine WM-(Trittbrett-)Kampagne gestartet. Dazu lud Annie Leibovitz keine geringeren als die Fußballgötter Pelé, Zidane und Maradona an den Retro-Kicker. Ob die FIFA-Trophäe auch zum beiläufig platzierten Luxusgepäck der drei gehört, lässt sich nicht erkennen (mein Post hierzu).

Laut Pressemitteilung traf sich das Trio in einer Bar in Madrid zu einem freundschaftlichen Kicker-Match. Maradona fungierte als Schiedsrichter zwischen Pelé und Zidane. Wer die Partie gewonnen hat, wird erst am 17. Mai verraten. Die Fans dürfen aber im Internet ihre Tipps abgeben, bisher glauben wohl 52 Prozent an Zidane.


Der Spot zur Kampagne bzw. Promotion auf YouTube.

Die wirklich gut gemachte, interaktive Website zur Kampagne (hier)


Top 20 Trends 2010


Die Top-20 Trends für 2010, zusammengefasst in einem sehenswerten sechs-minütigen Schnelldurchlauf-Video vom Trendhunter-Blog.

Für alle, die gleich im nächsten Meeting Bulshit-Bingo spielen möchten, hat ideenverteiler hier die 20 wichtigsten Trends noch mal aufgeschrieben:

01. Next Besting
02. DIY Decor
03. Life-Swapping
04. Pop-Uptailing
05. Nomadabodes
06. Greenpliances
07. Ecopolitain
08. Simpletising
09. Emotionolagy
10. Exposed Vulnerability
11. Crowd Sourced Campaigns
12. Nostalgia Marketing
13. DIY Health Care
14. Not so tricky picky
15. Prodependansy
16. Half Formal
17. Rental Culture
18. Peacocking
19. Unservice
20. Tangible Personalization

Den Trendhunter-Blog findet ihr (hier).


Dienstag, 8. Juni 2010

Neu: Der iSuit


Kein Witz: Der iSuit von Mohan’s NY (Foto: Mohan’s).

Wie das Wall Street Journal in seinem Blog berichtet, schlägt das iPad zwar auch an der Wall Street Wellen aber Dank Mohan’s nun keine Beulen mehr im feinen Zwirn der technophilen Broker. Denn deren feine Nadelstreifenanzüge sind nun auch mit integrierter iPad-Innentasche zu haben. Die perfekte Lösung für US-amerikanische homophobe Herrenhandtäschchenhasser.


Und für alle, die’s legerer mögen: das iShirt.

Zuerst gelesen im Wall Street Journal-Blog (hier)

Die Website des Herstellers Taschen-intensiver Freizeit-Kleidungsstücke (hier).

Die Website für iPad-besitzende Anzugträger (hier).




Montag, 7. Juni 2010

FIFA-Pokal reist in Louis Vuitton



Offizielles Pressefoto des FIFA WM-Pokalköfferchens

(Foto: Louis Vuitton/ABACAPRESS.COM Photo via Newscom).

Die wohl hartumkämpfteste Fussball-Trophähe der Welt, der FIFA-WM-Pokal, reist diesmal stilvoll in seinem eigenen maßgefertigten Louis Vuitton-Köfferchen nach Südafrika. Mit diesem genialen Marketing-Schachzug hat sich die französischen Luxus-Lederwarenmarke nun auch im Rahmen des weltweiten Mediengroßereignisses geschickt in Szene gesetzt.

Da Profifußballer und deren Frauen als Multiplikatoren schon lange zur umworbenen Kernzielgruppe der Monogrammtaschenmacher gehören, ist dieser Schritt sicher nur konsequent. Prada und Gucci hätten sicher auch gerne ein passendes Täschchen genäht.

Vorgestellt wurde die edle Transportverpackung im Rahmen einer Pressekonferenz übrigens von Supermodel Naomi Campbell und FIFA-Präsidenten Joseph Blatter.

In dem maßgefertigten Pokal-Köfferchen sollen übrigens - neben dem FIFA-Pokal - über 100 Meisterstunden sowie unzählige vergoldete Nägel stecken.

Dass Nelson Mandela die WM höchstpersönlich mit einem handgenähten Louis Vuitton Fußball anstoßen will, ist wohl aber eher ein Gerücht.


Kurzer Ausschnitt von der FIFA-Pressekonferenz mit Naomi Campbell.

Passend zum Thema auch die Fußballtasche aus der letzten Herbst-Winter-Kollektion.

Zuerst gelesen im Stylefrizz-Blog.


Donnerstag, 3. Juni 2010

Van Gogh in Poloshirts


Aus mehr als 2.000 Poloshirts der Marke Onward Kashiyama besteht dieses wohl größte Van Gogh "Gemälde" (Quelle: YouTube Screenshot).

Eine spannende, wie verrückte Idee, mit der das japanische Fashion-Label Onward Kashiyama im Tokioter Bankenviertel auf sich aufmerksam machen wollte. Mit angeblich 2.700 verschiedenfarbigen Poloshirts in insgesamt 24 Farben wurde das Ambient-Kunstwerk von 20 Mitarbeitern in dreieinhalb Stunden in der Lobby des Marunouchi-Gebäudes ausgebreitet.


Die Entstehung des Ambient-Kunstwerks in eineinhalb Minuten auf YouTube.

Die Website des Unternehmens, für alle, die japanisch können (hier).

Zuerst gesehen beim blokster (hier).


Donnerstag, 27. Mai 2010

Kopisten erhöhen Innovationsdruck in der Modeindustrie


Video des ca. 15-minütigen Vortrags von Johanna Blakely über den positiven Einfluss des mangelnden Urheberrechtsschutz in der Modeindustrie auf deren Innovationskraft und Kreativität.

Die Modeindustrie gehört zu den wenigen Industrien mit eher lausigem Urheber- bzw. Nutzungsrechteschutz. Damit sind sie in Gesellschaft von z.B. Nahrungsmitteln, Automobilen, Frisuren, Tatoos, Witzen und Düften.Trotzdem gehört sie zu den innovativsten, kreativsten und letztlich auch umsatzstärksten Industrien überhaupt. Wie lässt sich das erklären, und kann der mangelnde Rechteschutz sowie die daraus resultierende "Abkupfer- und Nachmacher-Kultur vielleicht sogar als Treiber der Innovationskraft verantwortlich gemacht werden? Diesen Fragen geht Johanna Blakely (Deputy Director des Norman Lear Center, eines Medien-fokussierten Think Tanks an der University of Southern California) in einem kurzen aber durchaus sehenswerten Gastvortrag nach.

Ihrer Meinung nach steigert die "Copy Cat"-Kultur der Modeindustrie (die großen Vertikalen, wie H&M und Zara behaupten ja von sich, jedes trendige Couture-Teil innerhalb von 6 Wochen in den eigenen Läden haben zu können!) nicht nur das Innovationstempo der Industrie, sondern sorgt auch für eine Demokratisierung der Mode und die schnellere Verbreitung internationaler Modetrends. Die Designer der großen Fashion Brands müssen ihren Kopisten immer schneller davonlaufen und auch so genannte Signature Looks (LV-Rapport, Burberry-Karo etc.) einsetzen, um die notwendigen Premium-Preise weiter verlangen zu können.

Nach Blakelys Meinung könnten andere kreative Branche von einem Fall der Urheberrechte auch profitieren.

Herzlichen Dank an Andreas Vichr für den Tipp bzw. Link!


Dienstag, 25. Mai 2010

Pink Führer


Das Aufsehen-erregende Plakat in Palermo (Quelle: unbekannt).

"Cambia Style - Don't Follow Your Leader" ist die Headline auf den Postern der sizilianischen Modekette New Form (Website des Unternehmens hier), die laut Telegraph (hier) die Gemüter der Bürger und Politiker in Palermo erhitzten.

Führende italienische Kommunalpolitiker protestierten jedenfalls vollmundig: "The use of an image of a person responsible for the worst chapters of the last century is offensive to our country's constitutional principles and to the sensitivities of citizens," Ein Sprecher der Werbeagentur rechtfertigt: "We have ridiculed Hitler in a way that invites young people to create their own style and not to be influenced by their peers,"

Ob das visuelle Schwulifizieren des Führers es rechtfertigt, mit diesem provokanten Motiv für eine lokale Modemarke zu werben, soll in Frage gestellt werden. Provokation um der Aufmerksamkeit Willen hatte ja schon ein anderer berühmter italienischer Kreativer, Oliver Toscani, für seinen Auftraggeber Benetton als Stilmittel der Werbung hoffähig gemacht.


Soul Foot by Crocs


Der Spot "Feel The Love" aus der aktuellen crocs(TM)-Kampagne.

Ich hatte ja schon im Herbst letzten Jahres, zusammen mit FAZ.net (hier) darüber spekuliert, ob es der angeschlagenen Plastikpantoffelmarke Crocs gelingen wird, den drohenden Verfall der einst hippen Kult-Marke zu stoppen. Nun meldet sich die Marke mit einer neuen internationalen Kampagne zurück. "Feel The Love" ist das Motto der Kampagne bei der die Schuhe die Füße lieben.


"Sole" und "Soul" (also Sohle und Seele) heißen die beiden animierten "Croslite(TM)"-Charaktere, die sich in der Kampagne liebevoll um unsere geschundenen Füße kümmern (Foto: Screenshot Crocs Website).


Print-Motiv aus der aktuellen "Feel The Love"-Kampagne von Crocs(TM).

“Our new campaign will reinforce what Crocs really stands for — cheeky innovation in the form of a feather-light*, odor-resistant, form-to-fit shoe,” sagt Ken Chaplin, Vice President of Marketing bei dem Unternehmen, dass aus Plastikgranulat Kultschuhe macht.

* Lustig, dass Crocs auf deren US-Website mit dem deutsch-amerikanischen Begriff "über-lightweight" wirbt!

Die neue Markenkampagne ist laut Werbebranchenblatt W&V "... die erste integrierte und globale Kampagne des US-Konzerns. Entwickelt hat sie die in Chicago ansässige, unabhängige Marketing- und Kommunikationsagentur Cramer-Krasselt, die den globalen Werbe-, Media- und Digitaletat innehat. Cramer-Krasselt ist Mitglied des weltweiten Netzwerks unabhängiger Kommunikationsagenturen ICOM, hat die deutsche Partneragentur Move Communications aus Martinsried bei München in den globalen Pitch geholt und den Wettbewerb gemeinsam gewonnen. Die Münchner adaptieren für die deutsche Kommunikation die klassische Werbung, PoS-Maßnahmen und das B-to-B-Marketing."


Was ist die geschmacksverirrte Steigerung von Ballerinas? Die neuen Modelle der Serie Crocband Flat.

Inzwischen ist aus der Monoproduktmarke (siehe FlipFlops) eine Range-Marke für verschiedenste Freizeitschuhmodelle geworden. Neben dem klassischen Clogg werden inzwischen auf Flipflops und Ballerinas angeboten.

Eine Stärke der Marke ist sicher auch ihr Polarisierungspotenzial. Crocs liebt man oder hasst man. Beides auf jeden Fall leidenschaftlich, wie übrigens auch schon die alte Kampagne selbstbewusst thematisierte. Es lohnt sich übrigens wirklich, sich mal ein paar der älteren Crocs-TV-Spots (hier) auf YouTube anzusehen:


Der Spot "Hate" aus 2008 auf YouTube.

Die Crocs Website (hier).


Dienstag, 18. Mai 2010

NIKEs Flaschenpost für Südafrika



Die neuen "grünen" Team-Shirts von NIKE (Foto: Selectism.com).

Passend zur WM 2010 hatte man bei NIKE mal wieder eine kluge und "grüne" Marketing-Idee: Im Rahmen des Programms "NIKE 2010 World Cup Kits" stellte NIKE die neuen Team-Shirts vor, die dieses Mal aus einem neuen Jersey-Material hergestellt werden, dass weitestgehend aus alten Plastikflaschen recycelt wird. "8 Recycled Plastic Bottles: 1 Football Shirt" ist denn auch das sinnige Motto der Aktion. Nur konsequent und auffällig die Verpackung der Consumer Shirts: Eine Plastikflasche. "Considered Design" nennt NIKE seine Bemühungen, schon im Design grün zu denken.

Nach Angaben des Herstellers wird die Umwelt (hauptsächlich in Japan und Taiwan) so von 13 Millionen Plastikflaschen befreit. Danke NIKE!


NIKEiD. macht iPhone-Besitzer zum Sportswear-Designer


Drei Screenshots aus der "NIKEiD."-App (Foto: Apple iTunes-Store).

Individualisierbare Produkte gibt es bei NIKE ja schon länger. "User Generated Products*" nennt der Fachmann diese clevere Marketingtechnik, um zum einen neue, kreative Kundenschichten zu gewinnen und zum anderen Trends schneller erfassen zu können. Die "Weisheit der Masse" nennt Sacha Lobo dieses Phänomen.

Unter der Subbrand "NIKEiD" (Website hier) gibt es bei Nike schon länger so eine Kollektion individualisierbarer Artikel. Neu ist die passende iPhone-App unter gleichem Namen, die es nun mit Hilfe der iPhone-Kamera ermöglicht, alles, was einem vor die Linse kommt automatisch in ein passendes Farbdesign für z.B einen neuen Sneaker zu verwandeln. Einfach Foto schiessen - die App filtert die wichtigsten Farben heraus - und auf einen Artikel aus der NIKEiD.-Kollektion anwenden. Wenn die Farbkombi gefällt kann auch gleich aus der App heraus bestellt werden. Einfacher und schneller geht nicht. Und der Kunde kann ziemlich sicher sein, dass es seinen Sneaker kein zweites Mal gibt, auf der Welt.

Leider ist die App zwar gut gedacht aber nicht ganz so gut gemacht. Es hapert noch hier und da an der Funktionalität und der Geschwindigkeit, aber hier zählt erstmal die Idee.

Wer mehr über NikeiD erfahren möchte kann auch mal in den Blog "Laufen mit Willi" (hier) reinklicken. Willi Prokop ist Hardcore-Läufer und hat über das Produkt ausführlich gebloggt.

*Weitere Post zum Thema Consumer- bzw. User Generated Content (hier), (hier) und (hier).


Montag, 17. Mai 2010

Handwerksmeister 2.0


Zwei Motive aus der "Manufaktur"-Kampagne von Louis Vuitton aus diesem Jahr.

Habe am Wochenende auf der ADC-Austellung lange vor der "Manufaktur"-Kampagne von Louis Vuitton gestanden. (Übrigens inmitten von tausenden eingereichten Arbeiten aus dem vergangenen Jahr, eine von nur zwei Modekampagnen! Siehe meinen Post über den ADC-Gipfel von heute weiter unten). Was ich - neben der handwerklich perfekt gemachten Gestaltung - so interessant und gelungen finde, ist, wie die Macher es geschafft haben, eine Brücke zu schlagen, zwischen traditioneller Handwerkskunst und einer modernen richtungsweisenden Premium Fashion Brand.

Bewusst hat man auf das vielgesehene Klischee des runzeligen Altmeisters mit schwieligen Händen in der knorrigen Werkstatt verzichtet und stattdessen stylishe Models verwendet, denen man abnimmt, dass sie mit Hingabe, hohem Anspruch und künstlerischem Können anspruchsvolle Lederwaren in Premium-Qualität herstellen können.

Da mich das Thema des Brückenschlags zwischen traditioneller Handwerkskunst und modischem Anspruch gerade auch beruflich sehr beschäftigt, weiss ich wie schwer es ist, hierfür glaubwürdige kommunikative Lösungen zu finden. Auch deswegen "Hut ab!" vor den Machern der LV-Kampagne.


Motiv aus der GUCCI-Kampagne.

Auch Gucci hatte sich ja im Rahmen des Firmenjubiläums im letzten Jahr an dem Thema versucht. Allerdings auf eher klischeehafte Weise. Für eine Marke, der man eher modische Kompetenz als überragendes handwerkliches Können zuschreibt, vielleicht durchaus ein sinnvoller Weg. Allein schon der goldene GUCCI-Schriftzug auf dem historisch anmutenden Motiv stellt einen interessanten gestalterischen Bruch dar.

Mut hatten beide Marketingleiter. Denn ich höre förmlich die Vertriebsleiter mahnen: "Und wo bitteschön, ist unser Produkt?"