Mittwoch, 10. Juni 2009

Dürfen Agenturen Schuhe entwerfen?


Dr. Tonio Kröger, DDB Germany

Kai Schmid von der auf Outdoor-, Funktions- und Sportswear spezialisierten PR-Agentur eastside machte mich heute auf einen interessanten Artikel bei Welt Online aufmerksam:

Unter dem Titel „Warum Werbeagenturen bald Schuhe entwerfen“ fragt der Online-Dienst den CEO der DDB Group Germany, Dr. Tonio Kröger: „Ist es nicht anmaßend, dass Werber künftig auch noch als Entwickler und Berater auftreten sollen?“

Dr. Kröger antwortet: „Na ja, sähen wir uns weiterhin nur als Werbeagentur, die Doppelseiten produziert, dann wären wir sehr schnell sehr austauschbar. Stattdessen müssen wir die Unternehmen wirklich effektiv bei der Vermarktung ihrer Produkte beraten. Dazu gehört dann auch, dass wir ihre Business- und Vertriebsmodelle viel tiefer durchdringen als bislang. Wir haben zum Beispiel mit Reebok einen Kunden gewonnen, der genau das von uns erwartet: Wir werden dort sicher keine neue Sohle für Sportschuhe erfinden. Aber wir werden schon maßgeblich mit überlegen, wie ein Schuh aussehen muss, damit er in zwei Jahren bestmöglich vermarktet werden kann.“

Welt Online: „Und doch ernten Sie bei Wettbewerbern Spott. Viele sagen, Kreative sollten sich auf das beschränken, was Sie können.“

Dr. Kröger: „Keiner hätte gedacht, dass Apple irgendwann Handys und Musik verkauft, und doch tun sie es heute sehr erfolgreich. Und soll ein Fensterbauer nicht darüber nachdenken, Scheiben zu entwickeln, die Sonnenlicht in Solarenergie umwandeln, nur weil er immer nur Fenster gemacht hat?“

Nicht, dass mir, als ehemaligen DDB Group Mitarbeiter,Tonio Krögers Visionen neu wären, aber er spricht mir (zumindest in dieser Sache) aus dem Herzen und deswegen möchte ich seinem Modell einer überlebensfähigen Werbeagentur hier in meinem Blog ein wenig Raum einräumen.

„Vom Kreativen Dienstleister zum ernst genommen Sparringspartner“ mahnt ein Zitat unbekannter Herkunft von meiner improvisierten Bürotür-Pinwand. Oder, wie ein Ex-Chef immer zu sagen pflegte: "Wir müssen vom Reklame-Klemptner im Keller zum Kommunikationsarchitekten unserer Kunden werden."

Agenturen, deren Patentrezept auf die Probleme ihrer Kunden Doppelseiten und 30-Sekünder heißen, sind auch meiner Meinung nach ignorante Auslaufmodelle. Wer in diesem schwierigen Markt als Kommunikationsdienstleister überleben will muss lernen, die Herausforderungen der Märkte seiner Kunden ganzheitlich zu verstehen und seine ganze kreative Kraft auf effiziente und innovative Lösungen konzentrieren. "Creative solutions for business problems" heißt das, glaube ich, bei DDB. Ganz egal, ob das dann neue Vertriebsideen, neue Verwendungsarten, virale Kampagnen oder doch eine gut gemachte Anzeigenkampagne ist.

Und schlimmstenfalls, muss man halt neue Schuhe entwerfen.

Das komplette Interview auf Welt Online gibt es hier.



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