Montag, 6. April 2009

Heavy Photoshopping

Bekomme gerade die Retuschen des letzten Shootings auf den Schreibtisch und bewundere die hohe Kunst der Photoshopper oder Retouch Artists, wie die Jungs und Mädels wohl heute korrekt heissen. Ist schon unglaublich, was die Computer-Retuschen-Asse da so alles aus einem 10.000-Euro-Modell noch herausholen können, denke ich. Und schon schleicht sich die nächste Frage ein: Brauche ich eigentlich das 10.000-Euro-Model noch oder reicht vielleicht ein 2.000-Euro-Model und ein 2.000-Euro Retuschen-Artist um ein perfektes Fashion-Foto abzuliefern?


Da kommt mit der Post bei Trendhunter.com gerade recht. Unter dem Titel "Photoshop Fails - Complex Magazine Forgets to Digitally Touch Up Kim Kardashian" beschreibt der Post, wie das amerikanische 20-Something-Männermagazin das Sternchen Kim Kardashian für das Cover retuschierte und dann die unretuschierten Aufnahmen versehentlich auf ihrer Website veröffentlichte.

Aber zurück zur Frage. (1.) Sind die teilweise atemberaubenden Honorare der Top Models heute überhaupt noch zu rechtfertigen, wenn man mit ein paar geübten Klicks aus jeder Durchschnittshausfrau eine Kate Moss machen kann? Und, (2.) kann es überhaupt im Sinne der Models und Stars sein, nachträglich hemmungslos "optimiert" zu werden?


Der damals eher pummelige Titanic-Star Kate Winslet jedenfalls beschwerte sich über eine (glaube ich) auch im Stern veröffentlichte Vanity Fair-Fotostrecke, die den Star 10 Jahre nach Titanic und in Vorbereitung der PR-Kampagne zu "Der Vorleser" in wundersamer Idealfigur abbildete, bitterlich über die massiven Retuschen. Dem SZ-Magazin sagte sie hierzu (laut www.emma.de): "In Filmen versuche ich, Frauen mit Falten und Rundungen zu spielen. Ich verstehe also nicht, warum irgendwelche Grafiker in Zeitschriftenredaktionen nachträglich noch an Fotos von mir rumretuschieren müssen – das stellt doch letztlich meine Arbeit infrage." Und sie setzt noch einen drauf, als sie zu dem Interviewer des SZ-Magazins sagt: "Sehen Sie sich bitte die Fotos an, die Sie drucken werden – und dann überlegen Sie, wie ich aussehe, wenn ich mich morgens um sieben verschlafen und unfrisiert um meine zwei Kinder kümmere, die Hunger haben. Das sind zwei völlig unvereinbare Welten!"

Noch eine letzte Frage: (3.) Wer wird künftiger wichtiger für ein perfektes Ergebnis, der Fotograf oder sein Photoshopper?

Freue mich über Kommentare und Meinungen zu dem Thema.


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